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Der Schweizerische Gewerbeverband: So fing alles an

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv blickt auf eine mehr als 140-jährige Geschichte zurück. Diese beginnt im Jahr 1879.

Vier Vorgängerorganisationen waren zuvor gescheitert, bevor am 16. November 1879 in Luzern der fünfte Gründungsversuch erfolgreich war. Der zunächst als «Schweizerischer Gewerbeverein» bezeichnete Verband wurde 1916 in «Schweizerischer Gewerbeverband» umbenannt.

Aus einer Vereinigung zur Interessenvertretung des Gewerbes entwickelte sich über die Jahrzehnte der grösste Dachverband der Schweizer Wirtschaft. Im Jahr 2029 wird der Schweizerische Gewerbeverband sgv sein 150-jähriges Bestehen feiern. Doch zuerst ein Blick in die Vergangenheit des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv.

Die Gründung und die ersten Jahrzehnte

Die Gründung des Schweizerischen Gewerbevereins 1879 war Ausdruck des Bedürfnisses, die gemeinsamen Interessen des Gewerbes auf nationaler Ebene zu bündeln. In den folgenden Jahrzehnten schlossen sich zahlreiche Sektionen und Berufsverbände an. Der Verein gewann an politischer Relevanz und entwickelte sich von einem zunächst stark ehrenamtlich geprägten Zusammenschluss immer mehr zu einer professionellen Interessenvertretung.

Eine wichtige Zäsur bildete die Statutenrevision von 1916: Aus dem Schweizerischen Gewerbeverein wurde der Schweizerische Gewerbeverband sgv. Bereits in den ersten Jahren hatte der Verband begonnen, seine Strukturen zu professionalisieren. 1885 wurde die Einrichtung eines ständigen Sekretariats beschlossen; 1886 nahm Werner Krebs als erster Gewerbesekretär seine Tätigkeit auf.

Die wirtschaftlichen Krisen der 1930er-Jahre und die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs prägten auch die Gewerbepolitik. Fragen des staatlichen Schutzes und der Unterstützung des Gewerbes gewannen an Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte jedoch ein grundlegender Wandel ein: Der sgv rückte zunehmend die unternehmerische Freiheit und die Begrenzung staatlicher Eingriffe in den Mittelpunkt.

Vom Interessenvertreter zum politischen Akteur

Mit dem Ausbau der Geschäftsstelle professionalisierte der sgv seine politische Interessenvertretung zunehmend. 1944 wurde die schweizerische Gewerbekammer eingerichtet. Sie entwickelte sich zum eigentlichen «Gewerbeparlament» des Verbandes.

Eine weitere entscheidende Zäsur bildete das Jahr 1947: Otto Fischer trat als geschäftsleitender Sekretär in die Geschäftsstelle ein und baute sie zu einem hierarchisch geführten politischen Instrument aus. Unter Fischer gewann der sgv erheblich an politischem Einfluss. Parteien, Bundesrat und Parlament rechneten zunehmend mit der Haltung des Verbandes.

Seit 1942 befindet sich die Geschäftsstelle an der Schwarztorstrasse 26 in Bern.

Vom «Gewerbe» zu den «KMU»

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte einen grundlegenden Wandel. Neben dem klassischen Gewerbe rückten zunehmend kleine und mittlere Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen in den Fokus. Der Begriff «KMU» setzte sich zunehmend durch und prägte auch das Selbstverständnis des sgv als Dachorganisation der kleinen und mittleren Unternehmen.

Auch die politische Interessenvertretung entwickelte sich weiter. Referenden und Initiativen sowie die politische Arbeit in Bern wurden zu wichtigen Instrumenten der Interessenvertretung. Gleichzeitig verstärkte der sgv seine Kontakte zur französisch- und italienischsprachigen Schweiz. Unter Direktor Pierre Triponez, der 1990 die Geschäftsstelle übernahm, wurde diese nationale Vernetzung weiter gefestigt.

2004 wurde schliesslich eine Umbenennung des sgv in «KMU Schweiz» diskutiert. Die Mitgliedorganisationen lehnten diese jedoch ab. Der traditionsreiche Name «Schweizerischer Gewerbeverband» blieb bestehen.

Der sgv im 21. Jahrhundert

Was 1879 mit der gemeinsamen Interessenvertretung des Gewerbes begann, entwickelte sich im 21. Jahrhundert zu einer Interessenvertretung der vielfältigen Schweizer KMU-Wirtschaft. Seit dem 125-Jahr-Jubiläum 2004 hat sich die Schweizer KMU-Wirtschaft weiter verändert. Digitalisierung, Globalisierung, Fachkräftemangel, steigende Regulierungskosten sowie energie- und klimapolitische Fragen stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Der sgv hat seine politische Interessenvertretung entsprechend weiterentwickelt. Im Zentrum stehen weiterhin optimale wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen und möglichst grosse unternehmerische Freiheit.

Heute vertritt der sgv rund 230 Verbände und über 600'000 KMU. Damit repräsentiert er 99,8 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz. 

Mit Urs Furrer übernahm am 1. Mai 2024 ein neuer Direktor die operative Führung des sgv. 2024 wurden zudem die Verbandsgremien neu zusammengesetzt und die Statuten revidiert.

Für die Periode 2026–2030 hat der sgv seine «Strategien und Politische Zielsetzungen 2026-2030» neu formuliert. Unter dem Leitgedanken «Mehr Unternehmertum – weniger Bürokratie» steht der Abbau von Bürokratie und Regulierungskosten weiterhin im Zentrum. Weitere Schwerpunkte bilden unter anderem Arbeitsmarkt, Berufsbildung, Aussenwirtschaft, Finanzen und Steuern, Mobilität, Nachhaltigkeit, Raumentwicklung, Sozial- und Gesundheitspolitik und Wirtschaftspolitik.

Heute versteht sich der sgv als Nummer 1 der Schweizer KMU-Wirtschaft und als unabhängige Stimme der Unternehmen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Seine Geschichte ist damit auch eine Geschichte des Schweizer Unternehmertums: Was 1879 als Zusammenschluss zur Interessenvertretung des Gewerbes begann, ist heute die Dachorganisation einer vielfältigen und breit abgestützten KMU-Wirtschaft.